Fledermäuse

Lautlose Jäger der Nacht

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Zwergfledermaus

Großer Abendsegler

Wasserfledermaus

Großes Mausohr

Breitflügelfledermaus

Fledermäuse

Mit den Ohren sehen

Fledermäuse haben durch Ihre nächtliche Lebensweise, ihren lautlosen Flug und ihr besonderes Verhalten seit jeher die Fantasie der Menschen beflügelt. Sie jagen in der Finsternis mit Hilfe eines Ultraschall-Echolots, sie ruhen mit dem Kopf nach unten und halten sich in den Ruhephasen in dunklen Winkeln auf. Eigenschaften, die besonders im europäischen Raum zu Unrecht Aberglauben und Vorurteile gegenüber diesen faszinierenden Geschöpfen hervorgebracht haben.

Die faszinierenden Insektenjäger sind unersetzlich im Netzwerk unserer Ökosysteme und geben in der warmen Jahreszeit reichlich Gelegenheit zu spannenden Naturbeobachtungen direkt vor der Haustür. 

Bedrohte „Flattermänner“

Zunehmende Flächenversiegelung, die Abholzung natürlicher Waldgebiete und die Intensivierung in der Landwirtschaft haben in allen Industrienationen zu dramatischen Bestandrückgängen geführt. Die geringe Vermehrungsrate der Fledermäuse begünstigt diese Entwicklung.

Alle 25 bundesweit vorkommenden Fledermausarten (23 in Ba.-Wü.) stehen daher unter Naturschutz. Ebenfalls unter Schutz stehen auch ihre Sommer- und Winterquartiere, egal ob in der Natur oder in Gebäuden. 

Jeder kann helfen

Naturnah angelegte Gärten mit insektenfreundlichen Staudenbeeten und heimischen Gehölzen helfen neben Fledermäusen auch unzähligen anderen Tierarten. Wer dazu noch einen Gartenteich anlegt oder ein Plätzchen für eine kleine Wildblumenwiese findet, schafft sich ganz nebenbei ein kleines Naturparadies mit reichlich Gelegenheit zu spannenden Naturbeobachtungen rund ums Jahr. 

Fledermäuse beobachten im Schlossgarten 

Der Schlossgarten beherbergt wegen seiner zahlreichen Baumhöhlen und Blühflächen gleich mehrere Fledermausarten. Jüngst konnte hier etwa die seltene Bechsteinfledermaus nachgewiesen werden.

Besonders in der Dämmerung, kurz vor Sonnenuntergang, kann man die Tiere gut gegen den Abendhimmel beobachten. Schon mit einem einfachen und preisgünstigen Fledermausdetektor kann man die sonst unhörbaren Ultraschallrufe hörbar machen. 

Fledermäuse in Not - Was tun?

Verletzte oder verwaiste Fledermäuse müssen schnellstmöglich in die Obhut erfahrener Fledermausspezialisten.

Zwergfledermaus

Pipistrellus pipistrellus

Größe / Gewicht
  • Gewicht 3,5 – 8 g.
  • Spannweite 18 – 24 cm.
MErkmale
  • Kleinste Fledermaus Europas.
  • Alter bis 16 Jahre.
Kennzeichen
  • Europa; Süd-Skandinavien - Mittelmeerregion, britische Inseln – Kaukasus.
  • Im Gebirge bis 2.000 m Höhe.
Lebensraum
  • Häufig im Siedlungsraum, auch in Großstädten.
  • Wälder und Parkanlagen.
Sommerquartier
  • Wochenstuben in Spalten, Mauerfugen, flachen Fledermauskästen.
  • Oft auch in größerer Zahl hinter Wandverschalungen (Holz, Eternit…).
Winterquartier
  • In Höhlen, alten Bergwerkstollen, Mauerspalten und Kellern, teils auch in Kirchen.
Lebensweise
  • Winterschlaf von Mitte November – März / April.
  • Jagt in Parks und Gärten, an Waldrändern, an Gewässern sowie an Straßenlaternen.
  • Beim Jagdflug werden feste Routen eingehalten.
Nahrung
  • Verschiedene Insektenarten wie etwa kleine Nachtfalter oder Mücken.
Fortpflanzung
  • Paarungszeit Ende August – Ende September.
  • Die Wochenstuben können sehr individuenreich sein.
  • Meist 2 Jungtiere Mitte Juli / Anfang August.
Besonderheiten
  • Junge Zwergfledermäuse verirren sich manchmal beim Verlassen der Wochenstuben zu mehreren in Wohnungen und verstecken sich dann in Vorhängen oder hinter Schränken.

Großer Abendsegler

Nyctalus noctula

Größe / Gewicht
  • Gewicht 19-40 g.
  • Spannweite 32–40 cm.
MErkmale
  • Große Fledermaus mit langen und schmalen Flügeln.
  • Alter bis 12 Jahre.
Kennzeichen
  • Europa ohne Irland, Schottland und nördliches Skandinavien, südlich bis ins Mittelmeergebiet.
Lebensraum
  • Wälder und baumreiche Parkanlagen.
Sommerquartier
  • Wochenstuben meist in Baumhöhlen, manchmal auch in Fledermauskästen oder Mauerspalten.
Winterquartier
  • Dickwandige Baumhöhlen, Felsspalten, Höhlen, tiefe Risse in Gemäuern.
  • Manchmal auch in Lüftungsschächten und Kirchen. 
Lebensweise
  • Beginn des Jagdflugs oft schon vor Sonnenuntergang.
  • Jagdgebiete über Wiesen, Gewässern und im Baumkronenbereich.
  • Winterschlaf von Anfang Oktober / Mitte November bis Mitte März / Anfang April.
Nahrung
  • Größere Fluginsekten wie etwa Nachtfalter oder Maikäfer.
Fortpflanzung
  • Paarungszeit August – Oktober.
  • Während der Wochenstubenzeit leben Männchen und Weibchen getrennt.
  • Meist 2 Jungtiere Mitte Juni / Anfang Juli
Besonderheiten
  • Weite herbstliche Wanderbewegung in Richtung SW-Europa.
  • Niederfrequente Ortungsrufe können von jüngeren Menschen gehört werden.

Wasserfledermaus

Myotis daubentonii

Größe / Gewicht
  • Gewicht 7 - 15 g.
  • Spannweite 24 – 27,5 cm.
MErkmale
  • Kleine bis mittelgroße Art.
  • Alter bis 20 Jahre.
Kennzeichen
  • Fast ganz Europa einschließlich Balkan außer Nord-Skandinavien.
Lebensraum
  • Wälder, Auwälder und Parks, fast immer in Gewässernähe.
Sommerquartier
  • Wochenstuben in Baumhöhlen, Männchenquartiere auch in Spalten und Nischen unter Brücken.
Winterquartier
  • Freihängend oder in Spalten von Höhlen, Bergwerkstollen oder Bunkern.
Lebensweise
  • Fliegt bereits in der Dämmerung aus.
  • Jagdgebiet: Wasserflächen von Seen, Teichen und langsam fließenden Gewässern.
  • Winterschlaf von Ende September / Mitte Oktober bis Ende März / April.
Nahrung
  • Kleine Fluginsekten wie Mücken, Eintagsfliegen oder Schnaken.
  • Die Beute wird im Flug verzehrt.
Fortpflanzung
  • Paarung oft im Winterquartier.
  • Weibchen während der Wochenstubenzeit in größeren Gruppen (20 – 50 Tiere oder mehr).
  • Meist nur 1 Jungtier ab Mitte Juni.
Besonderheiten
  • Jagdflug nur 5 – 20 cm über der Wasseroberfläche.
  • Dabei gut beobachtbar, da die Tiere dabei oft dem gleichen Flugmuster folgen.
  • Herbstliche Wanderungen meist nicht weiter als 100 km.

Großes Mausohr

Myotis myotis

Größe / Gewicht
  • Gewicht 28 - 40 g.
  • Spannweite 35 - 34 cm.
MErkmale
  • Große Fledermaus mit langen und breiten Ohren.
  • Alter bis 22 Jahre.
Kennzeichen
  • Mittel- und Südeuropa ohne Skandinavien.
Lebensraum
  • Wärmeliebend, im Norden eher in Gebäuden, im Süden Höhlenbewohner.
  • Bevorzugt offene und strukturreiche Landschaften wie Streuobstwiesen, Heckenlandschaften und Parks. Selten über 600 m Höhe.
Sommerquartier
  • Wochenstuben im Norden auf warmen Dachböden (z.B. Kirchen), im Süden mehr in Höhlen.
Winterquartier
  • In Höhlen, Keller oder Stollen.
  • Dabei oft in Spalten und anderen Hohlräumen der Höhlendecke.
Lebensweise
  • Beginn des Jagdflugs nach Einbruch der Dunkelheit.
  • Jagt meist dicht über dem Boden, oft sogar „zu Fuß“.
  • Winterschlaf von September / Oktober bis Anfang März / April.
Nahrung
  • Vorwiegend Käfer wie etwa Laufkäfer oder Mistkäfer, aber auch Heuschrecken. Grillen und Spinnen.
Fortpflanzung
  • Paarungszeit ab August, aber auch noch im Winterquartier.
  • Oft große Wochenstuben mit bis zu 2.000 Weibchen.
  • Meist nur 1 Jungtier ab Anfang Juni.
Besonderheiten
  • Die typische „Kirchenfledermaus“.
  • Herbstliche Wanderungen über 100 km möglich.

Breitflügelfledermaus

Eptesicus serotinus

Größe / Gewicht
  • Gewicht 14,5 – 33,5 g.
  • Spannweite 31,5 -38,1 cm.
MErkmale
  • Große Art mit breiten Flügeln (Name).
  • Alter bis 19 Jahre.
Kennzeichen
  • Europa, von Süd-Schweden und Süd-England bis ins Mittelmeergebiet einschließlich Balkan.
Lebensraum
  • Gerne im menschlichen Siedlungsraum in Dachstühlen, in Parks, Gärten und auf Wiesen in Ortsrandlage. Flachlandart.
Sommerquartier
  • Wochenstuben meist versteckt hinter Latten oder in Spalten von Dachstühlen.
  • Teils auch hinter Fensterläden, in Nist- oder Fledermauskästen.
Winterquartier
  • In Höhlen, Stollen oder alten Kellern, aber auch in Holzstapeln oder hinter Bildern in Kirchen.
Lebensweise
  • Fliegt bereits in der frühen Dämmerung aus.
  • Jagt in Gärten, an Waldrändern, an Straßenlaternen und im Kronenbereich größerer Baumgruppen.
  • Winterschlaf von Oktober bis Ende März / Anfang April.
Nahrung
  • Nachtfalter und Käfer.
Fortpflanzung
  • Paarungszeit ab Ende August.
  • Männchen leben ganzjährig allein.
  • Meist 1 Jungtier an Mitte Juni.
Besonderheiten
  • Eher Ortstreue Art, die vermutlich nur wenig wandert.
  • Gut beobachtbar durch frühen Ausflug.
 Übersichtskarte

Braun, M., Dieterlen, F. (Hrsg.): Die Säugetiere Baden-Württembergs – Band 1: Stuttgart, Ulmer, 2003
Gebhard, Jürgen: Fledermäuse; Basel, Birkhäuser-Verlag, 1997
Schober, W., Grimmberger, E.: Die Federmäuse Europas: kennen – bestimmen – schützen; Stuttgart, Franckh-Kosmos, 1987