Heimliche Helfer

Wo der Bücher-skorpion jagt

Station 08 von 10

Bärtierchen

Bückerskorpion

Mauerassel

Erdkröte

Blindschleiche

Lebensraum & wertvolle Ressourcen

Totholz, Herbstlaub und Moos im Garten

Wenn im Herbst der Laubfall beginnt, ist für viele die Zeit für den alljährlichen Gartenputz gekommen. Damit alles schön ordentlich ist, werden dürre Äste beseitigt und buntes Laub vom empfindlichen Rasen entfernt. Beginnt dann im Frühjahr der Rasen zu sprießen, geht es nur allzu oft dem lästigen Moos an den Kragen. Schließlich wollen wir ja einen Rasen- und keinen Moosteppich im Garten haben.

Dabei bieten Laub, Totholz und Moos nicht nur Lebensraum für unzählige Tierarten, sie sind auch wertvolle Ressourcen, deren positive Wirkungen wir im Hausgarten völlig kostenlos nutzen können.

Mit dem Herbstlaub werfen unsere Gehölze immer auch einen Teil der Nährstoffe ab, die sie während des Jahres aufgenommen bzw. gebildet haben. Laub ist damit ein wertvoller Dünger, der im Gegensatz zu manchem Kompost völlig „unkrautfrei“ ist. Als Mulchschicht schützt es zudem den Boden vor Austrocknung und hilft damit beim Wassersparen.

In den meisten Gärten lässt sich auch ein Plätzchen für einen kleinen Totholzstapel oder Reisighaufen finden. An windgeschützter Stelle aufgehäuft kann er dem Igel als Winterschlafappartement dienen. Aber auch anderen Insekten- und Schneckenjägern wie etwa der Spitzmaus, Steinkriecher oder Lederlaufkäfer profitieren von den preiswerten Kleinbiotopen.

Moose wachsen im Garten nur dort gut, wo das Licht für Gräser und andere Pflanzenarten nicht ausreicht. Sie bilden dort ganz ohne unser Zutun üppig grüne Matten, die nicht gemäht werden müssen und zugleich als hochwirksamer Wasserspeicher wirken. Daneben beherbergen die filigranen Schönheiten einen faszinierenden Mikrokosmos an Kleinstlebewesen, die allesamt wichtige Aufgaben im Netzwerk der Natur erfüllen. 

Bärtierchen

Stamm ​Tardigrada

Größe 
  • Körperlänge 50 µm – 1,2 mm (je nach Art).
MErkmale
  • Dicklich-zylindrischer Körper mit vier paar Stummelfüßchen („bärenartig“).
  • Saugmund mit zwei scharfen Stiletten.
  • Atmung über die Haut.
Lebensraum
  • Wassertropfen und dünne Wasserschichten im Moos- und Flechtenpolstern sowie Algenbüscheln.
Lebensweise
  • Klettert und krabbelt mit langsamen Bewegungen.
Nahrung
  • Meist vegetarisch, manche Arten fressen auch Fadenwürmer.
  • Moosblättchen und Algenzellen werden ausgesaugt.
Fortpflanzung
  • Das Jahr über treten überwiegend Weibchen auf, Männchen nur gegen Ende des Winters.
  • Eiablage an Moosen und Algen.
Besonderheiten
  • Verwandeln sich bei Austrocknung in widerstandsfähige, walzenförmige „Tönnchen“, wobei ihre Lebensprozesse nahezu stillstehen.
  • So überstehen sie jahrelange Trockenheit, starke Strahlung sowie extreme Temperaturen von bis zu −200 °C und kurzzeitig +92 °C.
  • Bei Befeuchtung werden sie schnell wieder aktiv.

Bücherskorpion / Pseudoskorpion 

Ordnung Pseudscorpiones

Größe 
  • Körperlänge 0,9 - 7 mm.
MErkmale
  • Skorpionähnlich aber ohne Schwanz und Giftstachel.
  • Giftdrüsen in den Scheren – völlig ungefährlich.
  • Weltweit über 2.000, meist schwer bestimmbare Arten.
Lebensraum
  • In Spalten der Laubstreu, in Komposthäufen unter Baumrinde oder unter Moospolstern sowie unter Steinen oder in Vogelnestern, Ameisen- und Hummelnestern.
  • Auch in Häusern zwischen Bücher oder in Insektensammlungen (kein Schädling!).
  • Häufig, oft aber wegen ihrer versteckten Lebensweise übersehen.
Lebensweise
  • Fortbewegung meist seitwärts.
  • Überwinterung in selbstgesponnen Gespinsten. 
Nahrung
  • Kleinste Insekten und Gliedertiere wie Flöhe, Milben und andere Lästlinge.
  • Bücherskorpione im Haus jagen Staubläuse.
Fortpflanzung
  • Brutpflege. Jungtiere bleiben bis zur 2. Häutung im Brutsack und werden mit Nährflüssigkeit versorgt.
Besonderheiten
  • Benutzen größere Insekten als Transportmittel.
  • Oft sieht man sie an den Beinen von Stubenfliegen, wo sie sich mit Ihren Scheren während des Fluges festhalten.
  • Die räuberischen Zwerge tragen gemeinsam mit Spinnen, Raubmilben oder Hundertfüßern zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts in den oberen Bodenschichten bei.

Mauerassel

Oniscus asellus

Größe 
  • Körperlänge 11 – 18 mm. 
MErkmale
  • Deutlich segmentierter, abgeflachter Körper mit 7 Paar Schreitbeinen.
  • Meist dunkelgraubraun mit variabler Fleckung.
  • Atmung über aus Kiemen hervorgegangene Pseudotracheen. 
Lebensraum
  • Dunkle und dauerfeuchte Stellen in Laubwälder und Gärten, unter Steinen und Brettern sowie in Komposthäufen, Höhlen und Kellern.
Lebensweise
  • Lichtscheu, daher meist dämmerungs- und nachtaktiv.
Nahrung
  • Abgestorbenes; in Zersetzung befindliches organisches Material (häufig Pflanzenreste).
  • Sie erfüllen damit eine wichtige Aufgabe bei der Rückführung abgestorbenen Materials in den Stoffkreislauf (Humusbildung).
Fortpflanzung
  • Die geschlüpften Larven verbleiben zunächst in einer Blase auf der Bauchseite des Weibchens.
  • Jungtiere gleichen den Erwachsenen.
Besonderheiten
  • Asseln sind die einzigen Krebstiere die auch das Land erobert haben und sind daher an Lebensräume mit hoher Luftfeuchtigkeit gebunden.
  • Asseln im Haus deuten immer auf nasse, schimmelgefährdete Stellen hin und sind keine Schädlinge.

Erdkröte

Bufo bufo

Größe  / Alter
  • Körperlänge: 9 cm (Männchen) – 11 cm (Weibchen), in Südeuropa bis 15 cm.
  • Alter in der Natur 10 – 12 (36) Jahre.
MErkmale
  • Plumpe Kröte mit trockener, warziger Haut und ausgeprägten Ohrdrüsen.
  • Färbung variabel, von oliv- bis rötlich-braun.
  • Goldfarbene Augen mit waagerechter Pupille.
Lebensraum
  • Viele Landschaftstypen mit einer Vorliebe für Wälder, aber auch in Parks und Gärten.
  • Im Gebirge bis oberhalb der Baumgrenze.
  • Tagesversecke in selbstgegrabenen Wohnröhren.
  • Laichgewässer: Stehende oder langsam fließender Gewässer aller Art.
Lebensweise
  • Überwiegend nachtaktiv.
  • Während der Laichwanderung und während des Laichgeschäfts auch tagaktiv.
  • Winterruhe zwischen Oktober / November und Februar / März.
Nahrung
  • Überwiegend Käfer und andere Gliedertiere.
  • Schnecken und Würmer.
Fortpflanzung
  • Laichwanderung Ende Februar bis Ende März / Anfang April.
  • Stark auf das Laichgewässer geprägt, suchen zur Laichzeit stets wieder ihr „Geburtsgewässer“ auf.
  • Laich in langen, schwarzen Schnüren mit bis zu 8.000 Eiern.
  • Ruf mäßig lautes „oäck...oäck…“
  • Nur während der Laichzeit am Gewässer.
Besonderheiten
  • Ortstreu, suchen über Jahre immer wieder dieselben Tagesverstecke auf – auch im Garten.
  • Während der Laichwanderung alljährlich große Verluste im Straßenverkehr.
  • Bedroht auch durch Waschbären, die gelernt haben die giftige Haut vor dem Fressen abzuziehen.
  • Gesetzlich besonders geschützt

Blindschleiche 

Anguis fragilis

Größe 
  • Körperlänge 45 – 54 cm.
MErkmale
  • Schlangenähnlich, Schuppen glänzend.
  • Schlängelt sich weniger elegant vorwärts als Schlangen.
  • Weibchen oberseits oft kupferfarben mit abgesetzt braunen Flanken.
  • Männchen meist einfarbig, öfter mit einzelnen blauen Schuppen.
Lebensraum
  • Waldränder, strukturreiche Kulturlandschaften, Gärten und Hecken mit vielen Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätzen.
  • Bevorzugt eher feuchte Habitate bis in max. 2.000 m Höhe.
  • Tagesversteck gerne unter Steinplatte, Holzbrettern oder Planen.
Lebensweise
  • Aktivitätszeit je nach Klima zwischen März und Oktober.
Nahrung
  • Vorwiegend Nacktschnecken (Garten!) und Regenwürmer, aber auch kleinere Gliedertiere wie Asseln oder Spinnen.
Fortpflanzung
  • Paarungszeit: April / Mai.
  • Lebendgebärend: 6 – 10 Jungtiere im August / September.
Besonderheiten
  • Blindschleichen sind keine Schlangen sondern „Eidechsen ohne Beine“.
  • Erkennbar ist dies äußerlich an den beweglichen Augenliedern.
  • Bei Bedrohung kann der Schwanz wie bei Eidechsen an einer Sollbruchstelle abbrechen. Der regenerierte Schwanz ist deutlich kürzer.
  • Gesetzlich besonders geschützt.
 Übersichtskarte

Streble, H., Krauter, D., Bäuerle, A.: Das Leben im Wassertropfen; Stuttgart, Franckh-Kosmos, 2017.
Schwab, H.: Süßwassertiere – Ein ökologisches Bestimmungsbuch; Stuttgart; Ernst Klett Verlag, 1995.
Laufer, H., Fritz, K., Sowig, P.: Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs; Stuttgart, Ulmer, 2007.
Glandt, D.: Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas; Wiebelsheim, Quelle & Meyer, 2010.
Nöllert, A., Nöllert, C.: Die Amphibien Europas: Bestimmung, Gefährdung, Schutz; Stuttgart, Franckh-Kosmos, 1992.
Reichholf-Riehm, H., Steinbach, G. (Hrsg.): Insekten mit Anhang Spinnentiere; München, Mosaik-verlag, 1984.
Storch. V., Welsch, U.: Systematische Zoologie; Stuttgart, New-York, Gustav Fischer Verlag, 1991
Bellmann, H.: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Stuttgart, Franckh-Kosmos, 2001